Spitzenlexikon

Spitze ist ein flächiger textiler Gegenstand in Form eines Ornaments, dessen Wirkung auf dem Durchscheinen des Hintergrundes durch die sich zwischen den Musterformen befindenden Leerstellen beruht.”
aus: Friedrich Schöner: “Spitzen Enzyklopädie der Spitzentechniken” …

Wir arbeiten am Aufbau eines kleinen Spitzenlexikons. Es ist noch recht klein – wir freuen uns, wenn Sie sich aktiv am Aufbau beteiligen!
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Spitzentechniken:

Crotat

Filet
Wie alt Filetspitze ist weiß man nicht genau. Diese Technik wird auf die gleiche Art und Weise gearbeitet, wie Fischer ihre Netze knüpfen. Daher wird diese Technik auch als Netzen bezeichnet. Mit Hilfe der Filetnadel, auf der das Garn gewickelt ist und einem Stäbchen, das den Abstand bestimmt, werden Netze geknotet, die als Grundlage für die Netzstickerei dienen. Danach werden mit einer Sticknadel Muster eingearbeitet.
(Helga Thiel)

Häkelspitze
Mit einer Häkelnadel arbeitet man im Wechselspiel zwischen Luftmaschen und festen Maschen oder Stäbchen filigrane Spitzen. Eine Sonderstellung nimmt in der Häkelei die Irische Häkelei ein. Hiermit werden ausschließlich Spitzen gearbeitet. Diese Spitzen entstanden im 19. Jh. nach der in Irland herrschenden Hungersnot. Die entstandene Häkelspitze ahmte die Nadelspitze nach, die vom einfachen Volk nicht gearbeitet bzw. getragen werden durfte. Diese Spitzen wurden ein wichtiger Wirtschaftszweig in Irland. Es werden einzelne Motive gehäkelt und diese werden dann mit Stegen zusammengesetzt.
(Helga Thiel)

Klöppeln
Zum Klöppeln benötigt man ein Klöppelkissen, Klöppel, einen Klöppelbrief, Garn und Stecknadeln. Die Klöppel werden immer paarweise benutzt, mit Garn umwickelt und am Klöppelbrief, der vorher auf dem Kissen befestigt wurde, aufgesteckt. Nach dieser Vorlage werden durch drehen und kreuzen die Muster gearbeitet und mit Hilfe der Nadeln fixiert.
Genau wie die Nadelspitze ist die Klöppelspitze seit dem 16. Jahrhundert bekannt und hat ihren Ursprung in Italien. Das bekannteste deutsche Klöppelzentrum befindet sich auch heute noch im Erzgebirge.
(Helga Thiel)

Margaretenspitze
Angefertigt wird die Margaretenspitze auf einer Knüpfunterlage, gut festgesteckt mit Stecknadeln und mit fest verarbeiteten Fäden. Es wird der Rippenknoten des Makramée verwendet, man kann flächenhaft, reliefartig und vollplastisch arbeiten. Durch Bündelung kann die Richtung geändert werden und strahlige Formen können in eine eigene Laufrichtung führen.
Die Namensgeberin dieser Spitzentechnik, Margarete Naumann (1881- 1946) stellte ihre neue Knüpftechnik – die Margaretenspitze – im September 1913 erstmals in Dresden vor.
An der Staatlichen Kunstschule für Textilindustrie Plauen lehrte sie unter anderem diese neue Technik, mit ihrer Idee hoffte sie, ein Tor aufzustoßen zu einer neuen Blüte der Textilkunst und Verdienstmöglichkeiten in der Heimindustrie.
1918 erhielt sie das Patent für ihre Margaretenspitze, als ein Verfahren zur Herstellung von Spitzen und spitzenähnlichen Erzeugnissen.
Musterstücke sind im Plauener Vogtlandmuseum, im Grassimuseum Leipzig und in Stuttgart zu finden. In der Motivwahl fallen Menschenfiguren in großer Vielfalt, in Borten, in Deckchen und auch vollplastisch ins Auge, aber auch Blätter, Blüten und geometrische Formen.
Viele Jahre nicht mehr bekannt, wurde die Margaretenspitze durch Frau Lotte Heinemann aus Peine, dem Vogtlandmuseum Plauen und der Schaustickerei wieder belebt und als Kurse angeboten.
Quelle: Margaretenspitze, Katalogreihe des Vogtlandmuseums Plauen, Heft III, 1995

Makrameespitze

Nadelspitze
Die Nadelspitze hat als Werkzeug die Nähnadel und wird mit lediglich einem Arbeitsfaden gearbeitet, daher wird sie auch mitunter als Nähspitze bezeichnet. Im Gegensatz zur Stickspitze, die auch mit Nadel und Fadengearbeitet wird, ist die fertige Nadelspitze ein eigenständiges Spitzenstück ohne Gewebe als Grundlage. Es gibt verschiedene Arten der Nadelspitze. Es gibt die orientalische Nadelspitze, die europäische Nadelspitze, die Hedebospitzen. Die spanische Nadelspitzen und Solspitzen gehören ebenfalls dazu.
Die orientalischen Nadelspitzen werden in der Regel von einer Stoffkante aus in den freien Raum gearbeitet. Bekannt sind sicher die türkischen Spitzen. Ebenfalls armenische und Palästinaspitze.
Die europäische Spitze hat ihren Ursprung in Italien und zu Zeiten Ludwig des XIV. entstanden unter Colbert auch in Frankreich Zentren für französische Nadelspitze. Im Jahr 2010 wurde die Nadelspitze von Alençon zum Immateriellen Welterbe erhoben.
Bei den europäischen Spitzen wird zunächst nach einer Zeichnung ein Grundgerüst auf 2-lagigen Stoff trassiert (mit Hilfe eines Konturfadens aufgeheftet), danach mit Schlingstichen oder Spinnen und Stopfungen gefüllt und zum Schluss wird die Kontur bordiert. Die Spitze wird anschließend vom Trägerstoff abgetrennt und man erhält ein eigenständiges Spitzenstück.
(Helga Thiel)

Maschinenspitze

Occhi
Occhispitze oder auch Schiffchenspitze genannt ist genau wie die Filetspitze eine Knotenspitze. Mit Hilfe von ein oder zwei Schiffchen, auf denen sich das Garn befindet, werden Ringe und Bögen geknotet, die die Spitze bilden. Die Haltung der Schiffchen gilt als elegant, daher gibt es einige Gemälde aus dem 18. Jh. mit Abbildungen von Adelsfrauen, die ein überdimensioniertes Schiffchen in Händen halten. Diese dienten eher der Eleganz als der Herstellung von Spitze. Sie knüpften lediglich Knoten. Erst zu viktorianischer Zeit entstanden die ersten Schiffchenspitzen.
Heutzutage gibt es auch andere Hilfsmittel um diese Technik zu knoten. Zum einen mit einer ca. 15 cm langen Nadel, die ein planes Öhr hat. Auf diese Nadel werden die Knoten auf geschlungen und der Trägerfaden mit Hilfe der Nadel durchgezogen, so dass Ringe und Bögen entstehen. Dies wird als Nadelocchi bezeichnet. Eine weitere Möglichkeit ist das Crotat. Hier werden mit einer speziellen Häkelnadel ähnlich dem Nadelocchi die Knoten auf geschlungen, gleichzeitig können auch Häkelpassagen mit eingearbeitet werden.
(Helga Thiel)

Sprangspitze

Stickspitze
Durchbrucharbeiten und Doppeldurcharbeiten zählen nicht zu den Spitzen, sind aber die unmittelbaren Vorläufer der Nadelspitze. Aus dem wertvollen, handgewebten Leinen wurden erst Fäden herausgezogen und dann mit Nadel und Faden Muster eingewebt. Die Spitzen wurden immer breiter, so dass bald kein Stoff mehr zu erkennen war (Reticella).
Die Dresdner Stickerei (Point de Dresde oder Point de Saxe), die auf zartem, durchsichtigem Baumwollbatist mit vielfältigen Ajourstichen gearbeitet wird, ist die einzige gestickte Spitze, die den Spitzenstatus erreicht hat.
(Karin Müller)

Strickspitze
Dazu gehören zum einen die Kunststrickdecken, die mit feinem Baumwollgarn und dünnen Stricknadeln in der Regel rund in Ajourmustern gearbeitet werden, zum anderen die zur Zeit hochmodernen Lacespitzen, die mit feinen Seiden-, Woll- oder Mohairgarnen und dicken Nadeln kunstvoll zu Tüchern und Stolas verarbeitet werden. In Shetland gibt es die sogenannten Ringschals. Diese Tücher müssen so zart und fein sein, dass sie durch einen Ehering gezogen werden können. Bekannt sind auch die Orenburger Tücher aus feinstem Ziegenhaar, die immer noch nach traditionellen Mustern gestrickt werden.
(Helga Thiel)