Hochzeit

Der Antrittsbesuch

Bevor man sich öffentlich verlobte, wurde die Tochter des Hauses aus dem Zimmer geschickt und der heiratswillige Kandidat auf „Herz und Nieren“ geprüft – seine Familie – seine finanzielle Zukunft. Kann er eine Familie ernähren. Vor der Zeit der Pille konnte man nicht vorhersehen, wie groß die Familie werden würde.

Aus diesem Grunde war in wohlsituierten Ehen der Mann oft bedeutend älter als die zukünftige Frau, da der Mann schon eine berufliche Karriere vorweisen musste. Das Mädchen wurde aber möglichst jung verheiratet, weil es dann gesichert versorgt war.

Verlobung  „ Um die Hand anhalten“

Die Verlobung war ursprünglich wichtiger als die Hochzeit. Sie war nicht nur eine Feier der beiden Familien, sondern ein Vertragsabschluss. Hier wurden unter Zeugen die Kostenverteilung für die Hochzeit, die Aussteuer, die Erbfolge und die Hofübergabe besprochen und per Handschlag besiegelt.

Durch eine Verlobungsanzeige, die von beiden Braueltern in der örtlichen Zeitung eingesetzt wurde, wurde das Ganze öffentlich gemacht und war damit ein bindender juristisch abgesicherter Vertrag.

Dieser Vertrag wurde mit einem Handschlag besiegelt.

Freien – auf Freiersfüßen gehen

Freien ist gleichzusetzen mit befreien, sich von der Vormundschaft der Eltern zu befreien. Siehe kirchliche Trauung.

Hochzeit / Hohe-Zeit

Der Begriff kommt aus dem Mittelhochdeutsch:

„hochgezit“ oder „hochzit“

und wurde für alle hohen Festtage wie Ostern, Pfingsten und

Weihnachten angewandt. Erst im 17. Jh. wurde der Begriff auch für das Fest der Trauung verwendet, um im Laufe der Zeit ausschließlich für die Trauung zu stehen.

Ehe

Das Wort Ehe stammt aus dem Althochdeutsch und bedeutet ursprünglich „Gesetz, lange Zeit, Ewigkeit“. Ehen wurden zu dieser Zeit schon gesetzlich geregelt. Ehe hatte nichts mit Liebe zu tun. Sie war ein Abkommen, ein Vertrag, der die „richtigen“ Familien zusammenführte, um den Wohlständ zu mehren und die Familien zu stärken. Es waren aus dynastischen, politischen  oder finanziellen Gründen arrangierte Ehen. Im Gegenteil, die katholische Kirche verkündete sogar: „Der Mann, der sich von übermäßiger Liebe hinreißen lässt und seine Frau so leidenschaftlich bestürmt als wäre sie gar nicht seine Frau, der sündigt!“

Aus diesem Verständnis resultiert die Anerkennung der Ehe als Sakrament.

Der Spruch: „Heirate übern Mist, dann weißt du wer es ist“ beinhaltet die Absicherung gegen Armut, den Erhalt des Hofes, den Fortbestand durch Kinder.

Mittelalterliche Handwerker konnten um Meister zu werden nur die Tochter des Meisters oder eine Meisterwitwe heiraten. Das war von der Zunft vorgeschrieben.

Verlobungs – Ehering

Spitzen-Vielfalt 2016 Hochzeit

Ringkissen mit geklöppelter Spitze

Erste Erwähnung eines Ringes als Zeichen der Liebe findet man im 2. Jahrhundert vor Christus. Der Ring wurde dem Mädchen vom Mann als bindendes Ehe- und Treueversprechen gegeben.

Zunächst waren die Ringe mit Edelsteinen geschmückt (rot=Liebe, blau=Treue).

Ringkissen mit geklöppelter Spitze

Ringkissen mit geklöppelter Spitze
Leihgabe von Karin Cloos

Erst im 14. Jh. nach Chr. schenkten die Paare sich gegenseitig den Verlobungs- und Ehering. Den schlichten Goldring gibt es erst seit Ende 16.Jh./Anfang 17.Jh.

 

 

 

Trauung

Kirchliche Trauung

Der Bräutigam kommt, begleitet von seinen Trauzeugen, zuerst in die Kirche und wartet am Altar auf seine Braut.

Die Braut fährt, begleitet von ihrem Vater, in der Kutsche – dem Auto vor und wird vom Brautvater bis an den Altar geführt und dort dem künftigen Schwiegersohn übergeben. Er emanzipiert sie. Damit entlässt der Vater seine Tochter aus seinen Rechten und Pflichten und übergibt sie dem zukünftigen Ehemann mit allen Rechten und Pflichten.

Daher stammt auch die Sitte, dass der Bräutigam bevor er sich mit dem Mädchen offiziell verloben durfte einen Antrittsbesuch machen musste. Der Besuch diente dazu zu prüfen, ob der zukünftige Ehemann finanziell und charakterlich in der Lage war, die Rechte und Pflichten des Vaters angemessen zu übernehmen.

Anmerkung:
Brockhaus 1974
„Emanzipation“ – lateinisch, französisch = Freilassung, freilassen, die Befreiung von Individuen oder Gruppen, die zuvor rechtlich oder tatsächlich in einem dauernden Abhängigkeitsverhältnis standen. Im Römischen Recht hieß „Emanzipation“ die Entlassung eines Familienmitgliedes aus der väterlichen Gewalt.

Die Zivilehe

Im Zuge der Französischen Revolution 1789 wurde die Zivilehe eingeführt. Das bedeutet, dass auch eine Ehe, die nicht kirchlich geschlossen war rechtlich bindend und gesetzlich abgesichert war.

Ehe heute

Die kirchliche Ehe hat nur noch eine religiöse Bedeutung oder dient sogar nur dazu die Hochzeit besonders festlich zu gestalten. Sie darf ohne vorherigen Nachweis der vorherigen standesamtlichen Trauung nicht durchgeführt werden. Selbst die Zivilehe bietet ohne einen gesonderten Ehevertrag heute nicht mehr den umfassenden Schutz wie das im 20. Jahrhundert noch üblich war.

Das Brautkleid

Spitzen-Vielfalt 2016 Hochzeit Brautkleider

von li. nach re.
Klöppelspitze, Maschinenspitze, Occhi

Der Adel trug nur großartigste Roben aus edelsten Stoffen üppig ausgestattet mit Stickereien und Spitzen und farblich nach Geschmack.

Das Brautkleid war ursprünglich das beste Kleid, das die Braut besaß oder sich leisten konnte. Meistens wurden dunklere Farben gewählt, da das Kleid eventuell ein Leben lang halten musste und das Reinigen der Kleider schwierig war.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich, beeinflusst durch den Spanischen Hof, Schwarz als Modefarbe für das Brautkleid. Die Farbe sollte den Zusammenhang zwischen Liebe und Tod versinnbildlichen. Es war auch üblich das Brauthemd als Totenhemd zu tragen. Diese Sitte wurde besonders im ländlichen Raum gepflegt. In stark protestantisch religiös Gegenden galt auch, dass das schwarze Kleid Sinnbild für den Verlust der Jungfräulichkeit darstelle.

Ein anderer Grund für ein schwarzes Brautkleid war auch, dass die Braut schon ein Kind erwartet. Ein weißes Kleid symbolisierte Jungfräulichkeit und war damit nicht erlaubt.

Gegen Ende des 18. Jh. setzte sich in Adelskreisen das weiße Brautkleid als Statussymbol durch. 1813 wurde in den französischen „Journal des Dames“ erstmals ein weißes Kleid ausschließlich als Brautkleid zu tragen, propagiert.

1854 trug Sissi-Prinzessin Elisabeth von Bayern ein weißes Brautkleid aus Duchesse mit langem Spitzenschleier. Danach kam nur noch weiß als Farbe für das Brautkleid in Mode – allerdings nur in vornehmen Kreisen.

Der Brautschleier

Auch der Schleier gilt als Sinnbild für Jungfräulichkeit. Ursprünglich sollte der Schleier die Braut vor den Blicken der Öffentlichkeit und vor allem des Bräutigams schützen. Erst wenn das Paar offiziell getraut ist, schlägt die Braut den Schleier zurück, um sich dem Ehemann zu zeigen.

Die Sitte stammt aus dem Islam, wo nur der Ehemann das Gesicht seiner Frau sehen darf. Das Gesicht soll vor den Blicken fremder Männer verborgen sein. Die Sitte des Brautschleiers ist älter als die des Brautkleides. Nur die „jungfräuliche“ Braut durfte den Schleier tragen. Der Schleier wurde mit einem Myrtenkranz oder einer Brautkrone getragen.

Der Brautkranz

Der geschlossene Kreis des Kranzes galt als magisches Zeichen um böse Geister abzuwehren. Er symbolisiert Kraft und Unversehrtheit.

Die Brautkrone

Brautkronen haben grundsätzlich dieselbe Bedeutung wie der Brautkranz. Sie ist allerdings aufwendiger und kostbarer gefertigt. Sie waren für wohlhabendere Bräute mit Gold, Silber oder Juwelen geschmückt. Weniger „betuchte“ Bräute konnten unter Umständen die Krone auch in der Kirche oder dem Rathaus ausleihen.

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Nadelspitze

 

 

 

 

 

 

Myrte

Myrte im Brautkranz oder der -krone symbolisierte Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Früher hatte die Hausfrau auf dem Lande ein Topf mit Myrtepflanze auf dem Küchenfensterbrett.

Brautschuhe

Das Sammeln der Pfennige um die Brautschuhe zu bezahlen soll die Sparsamkeit der Braut auch für den künftigen Hausstand dokumentieren.

Text: Gudrun Borck